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Heute mal kein Zitat, sondern ein Auszug aus Unterrichtsergebnissen:

 

 

Ekkehard Zerbst

 

Mitternachtsmühle

 

In Mitternachtsmühle

verdichtet sich Mehl

wird wieder Korn
treibt Mahlsteine an
die über dunkles Gestänge

Windflügel drehen
um wieder ein Wehen
in Himmel zu schlagen

dort draußen
So wirkt es
von innen nach außen

um doch noch
Bewegung in diese
so wohlgefällige Ruhe
zu schlagen

mit
brotloser
Konsequenz

 

 

 

Gedanken zu Ekkehard Zerbst, „Mitternachtsmühle“. In: Fänger jährlichen Regens. Kreuzau: Auslesen-Verlag, 2007. S. 71.

 

Zitat aus: Lessing, Emilia Galotti, Erster Aufzug, Zweiter Auftritt:

[…]

Der Prinz. Guten Morgen, Conti. Wie leben Sie? Was macht die Kunst?

Conti. Prinz, die Kunst geht nach Brot.

Soweit Lessing, soweit diese Quelle, in Wikipaedia gibt es Genaueres.

Bei Ekkehard Zerbst finden wir in dem Gedicht „Mitternachtsmühle“ eine schöne Anspielung auf dieses Geflügelte Wort in den letzten zwei Zeilen, wo von „brotloser Konsequenz“ die Rede ist. Diese Aussichtslosigkeit, dass Kunst „nichts“ bringe, dass sie kaum zum Lebensunterhalt beitragen kann, findet sich in dem Gedicht in umkehrender Weise so wieder, wie der Sprecher hier auch die Mühlen rückwärts mahlen lässt. Aber dennoch gibt dieses Gedicht Anlass zur Hoffnung für den Sprecher und für uns alle, denn Dichtung und Kunst wirken immer reversibel von außen nach innen und von innen nach außen. Des Sprechers Mitternachtsmühle sorgt für eine „Bewegung“, die einschlägt in eine ganz bestimmte „so wohlgefällige“ Ruhe, zwar „mit brotloser Konsequenz“ zum Leidwesen des Dichters, Malers, Künstlers, dennoch mit Konsequenz. Mit dieser einen der Kunst ursprünglich innewohnenden Konsequenz, dass sie Welt gestaltet und Welt verhandelt, dass sie den Betrachter, Leser, den Aufnehmenden eben, zu verändern in der Lage ist, dass sie die Menschen vorwärts bringt. Schade eigentlich, dass es dann auch „Kunst“ gibt, die nach Brot geht. Conti ist ein Beispiel dafür, seine Auftragsarbeiten für den Prinzen, sein Opportunismus sichert ihm sein Überleben, sein Brot. Heute haben wir andere Contis auszuhalten, Tokio Hotel, von mir aus auch Dieter Bohlen. Mit Beuys gesprochen ist jedoch alles irgendwie Kunst, mit Zerbst geantwortet: Es kommt auf den Grad der Heftigkeit einer Bewegung an, die in eine „wohlgefällige Ruhe“ schlägt.

 

16.2.07 15:18
 


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