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Elterngeschichten - literarisch

Über Väter und Söhne, Mütter und Töchter, Mütter und Söhne, Väter und Töchter – überhaupt: über Eltern und Kinder  ……… in Roman und Drama

 

Odoardo Galotti – ein Vater – tötet seine Tochter. Warum? Tragisch so was. Hatte er bestimmte Gründe, oder war er einfach nur geistig unzurechnungsfähig in dem Moment der Tat. Bekommt er vom Zuschauer mildernde Umstände? Wenn ja, welche? Überhaupt: Dieser Galotti: streng, pflichtbewusst, auf Sitte und Anstand, Zucht und Ordnung und selbstverständlich auf die Einhaltung religiöser Regeln achtend, so ein Vorbild von einem Menschen, Ehemann und Fürstendiener…da muss einem ja langweilig werden. Zuerst sicherlich empfindet sein Eheweib diese Langeweile, ennui pur, sie kann aber natürlich nicht aus einer solchen Beziehung ausbrechen, sich einfach scheiden lassen ging damals nicht, hätte man gleich den Strick nehmen können, pardon, Arsen oder ein ähnliches Gift und das nicht nur für sich selbst. Wenn diese Art der Flucht nicht in Frage kommt, dann projiziert man eben, eskapiert sich durch seine Brut und freut sich, wenn das Töchterlein auch mal eine Affäre mit nem Prinzen hat. Herrlich, kann man als Mutter dann richtig drin schwelgen in der Vorstellung, so als wäre man selbst in der Kirche gewesen und hätte die roten Bäckchen bekommen…aber war nix…bleibt einem nur ein gewöhnliches Techtelmechtel hier und da mit nem Dienstboten…aber rein platonisch, gewiss Frau Galotti, gewiss. Und Angst vorm Herrn Gemahl haben Sie schließlich immer. Und wenn der rausbekommt, dass dieser Prinz ein Auge auf sein heiligstes und behütetes Töchterlein geworfen hat, sie just in dem Moment zu einer affaire dangereux entfachen kann, grad wenn man dieses Töchterlein als Unterpfand für den gesellschaftlichen Aufstieg an einen blass-idiotischen Adligen dritter Klasse verkauft hat, dann …ja, dann nbrodelt es im Herzen des Herrn und es schwillt sein Kamm und er wird ehrenvoller als der ritterlichste Ritter…und bringt die Frucht seiner Lenden lieber um, als dass er ihr ein Leben an sich gönnt. So werden Odoardo und Emilia Opfer einer falschen Ideologie, Ideologien sind immer falsch, weil ohne Leben, sie werden Opfer eines Dünkels, sie dünken sich edler und ehrenvoller von Stand als Prinzen und adliges Gesockse ja von Geburt und qua Amt schon sind. Das ist ein Trugschluss. Adlig sein, heißt nicht immer, dass man dekadent und korrupt ist. Gut, dieser Prinz ist nicht lieb, nein, ist er nicht. Er steht für all die verwerflich-korrupten Adligen, gegen die Lessings Kritik gerichtet war. Aber Lessing kritisiert ebenso scharf die Dummheit und Überheblichkeit eines Bürgertums, das sich aus puritanischen Gründen für ehrenvoller hielt. Sowas klappte damals nur in Amerika und führte allenfalls zu unbegrenztem Reichtum, weil Gott sie alle lieb hatte, zu moralischem Handeln hat es bis heute nicht geführt.

 

Ein Sprung über Jahrhunderte ins nächste Chaos: Das Seelenleben eines Fünfzehnjährigen: Michael Berg trifft Hanna Schmitz. Ödipus auf Urlaub. Mütter und Söhnchen, Jungchen. Von Michaels Familienleben bekommen wir nicht allzu viel mit, der Junge pubertiert eben in den Augen seiner Eltern sehr heftig, indem er regelmäßig von Zuhause weg ist, kleine Geheimnisse hat und über Freundinnen nicht sprechen mag. Er mag ja sowieso nicht sprechen daheim, weil ihm dann wohl öfter die Stimme versagt, denn er muss ja so viel vorlesen. Nun ja, von zwanghaftem Vorlesetrieb kann vorerst nicht die Rede sein, eher von zwanghaftem Geschlechsttrieb, und das beidseitig. Hanna Schmitz als Mutterfigur klar, dann hat Michael aber elterlicherseits Defizite, Freud würde sagen, er ist nicht allzu oft in den Genuss der mütterlichen Laktationsprodukte gekommen. Michael ist Forscher, Entdecker der Weiblichkeit und kleiner Junge zugleich. Kleiner Junge bleibt er bis zum Schluss, verlässt sein pubertierendes Stadium noch nicht einmal, nachdem Hanna ihrem Leben ein Ende gesetzt hat. Das sind die Drachentöter schlechthin, die edlen Helden, die Analphabeten die Literatur nahe bringen in der Hoffnung, sie dadurch dem Stadium der Barbarei zu entreißen. Aber: Analphabeten sind Menschen wie Du und Ich, lieber Michael, es sind keine Barbaren. Hanna jedoch ist aus andren Gründen dem Primitiven nicht entronnen. Hier greift das Primitive nach der Unschuld, das Böse nach dem Guten. Ja, Kinder sind grundsätzlich gut. Michael war gut, bis zur Gelbsucht….übrigens ist Gelb eine Farbe, die nicht weit von Braun entfernt liegt. Michael ist in der Pubertät verführt worden und nicht mehr wieder in ein normales Leben zurückgekehrt, all die Mütter und Frauen in seinem weiteren Leben konnten daran nichts ändern, weil das Böse nach ihm gegriffen hat und gegen das Böse ist man machtlos, der Teufel trägt Prada, das Böse kommt in vielerlei Gestalt daher, erliegt man ihm, wird man Teil von ihm, oder so ähnlich. Als Leser werden wir vertröstet mit dem Gedanken, dass Hanna sich das Leben nimmt, kann sie wenigstens nicht mehr weiter wirken. Hat sie aber. Denn ein Stück Literatur ist entstanden mit so Sätzen wie: Der Sommer war der Gleitflug unserer Liebe. Einer der Sätze, den die Welt nicht braucht, auch wenn ein Kritiker der FAZ meint, diese Sprache sei einfühlsam. Kitsch ist immer definitionsabhängig. Schön und gut: Literatur geht aber anders, Herr B.Sch. Stellen wir uns doch bloß einmal vor, Hanna wäre schwanger geworden. Ja, Hanna schwanger von Michael, so abwegig ist der Gedanke nicht, nicht wahr? Das wäre eine Geschichte von Vätern und Söhnen, nicht wie Heinz Rühmann in den Fünfzigern, von wegen „wenn der Vater mit dem Sohne“ und so. Nein, der fast erwachsene Filius, nennen wir ihn Bernhard Berg wird der Obhut seines unehelichen Vaters Michael Berg anvertraut undsoweiter. Beide arbeiten ihre jeweilige Geschichte auf, beide stünden vor der Geschichte der einst geliebten Frau und Mutter. Das, ja das wäre einen Versuch wert, einmal einen Roman zu schreiben, denn das wäre realistisch, weil es solche Schicksale und Histörchen im Familienkreis im Nachkriegsdeutschland zuhauf gegeben hat.

 

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg und immer ist Krieg seit die Menschen denken, dass es sie gibt. Was macht eine Mutter im Krieg? Nun, sie ist Mutter und qua Amt bringt sie ihre Kinder durch, koste es, was es wolle, sogar unter Aufgabe ihrer eigenen Existenz. Dazu braucht man Courage, Mut, Verzweiflung, Wille. Mutter Courage – tja, tut sie das? Ja, teilweise, am Ende, wenn sie sich für ihre schwachsinnige Tochter entscheidet, endlich, sag ich da. Vorher versucht sie noch alles Mögliche, lässt ihre Söhne dabei draufgehen, aber vielleicht brauchen wir ja der Männer nicht so viele, zur Erhaltung des Menschengeschlechts genügt eine gewisse Anzahl gebärfähiger Frauen. The Children of Men zeigt es uns, beweist es uns. Da finden wir eine bedrückend wahre Mutter Courage. Mütter sind immer Mutter Courage, ob Krieg oder nicht Krieg, soviel Profit kann der Mensch gar nicht machen, als dass er sich jemals grundsätzlich gegen ein Kind entscheiden könnte.

Ja, die Courage ist irgendwie nicht zu packen, ist ja auch schon lange her und letztendlich hat der Brecht sie episch verfremdet auf den Theaterboden gestellt, sodass der Zuschauer erstmal das kleine Organonabitur machen muss, um den Gedanken des Meisters folgen zu können. P.D. James mag ich lieber, das ist aber eine ganz andre Veranstaltung und die Schöpfer des diesjährigen Zentralabiturs hätten gut daran getan, The Children of Men als Lektüre aufzunehmen. Schließlich ist daraus ein Film entstanden, der von Brad Pitt, Matt Damon und George Clooney gelobt wird…von mir selbstverständlich auch.

 

Bleibt am Ende noch Lene Nimptsch…wer so heißt, ogottogott… hat weder Vater noch Mutter…ist Waise und deshalb so weise und glücklich am Ende. Lene gönne ich Kinder. Botho…ach, wer spricht denn heute noch von Ehre, Adel und dem ganzen Pomp mit Popanz, das hat der Fontane schon richtig gesehen…aber die Leutchen damals…die waren ja so gegen ihn und diesen Stoff…bigottes Volk eben, nicht weit von Odoardo entfernt damals…es bedurfte halt mehrerer Kriege und der Atombombe, dass die Welt zu denken begann…

Leute, lest mehr, dann kloppt ihr euch weniger.

6.6.07 19:06
 


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