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Paul und Hildegard – oder: Über die Möglichkeit der Unmöglichkeit

 

Ein Dramulett

 

Personen

Paul –  ein Mann in den Vierzigern, von Beruf Buchhalter sitzt in legerer Freizeitkleidung abends am Tisch in der Küche der Vierzimmerwohnung, nachdem er die zwei Kinder (7 und 5 Jahre alt) zu Bett gebracht hat und probiert seinen neuen Füllfederhalter aus; aus dem Radio hört man klassische Musik, teilweise schwermütiger Brahms (Klavierquartette), teilweise Mozart (Klarinettenkonzert); Paul schaut ab und zu auf die Küchenuhr

 

Hildegard -  noch nicht ganz vierzig Jahre alt, wenig attraktiv gekleidet, längere Haare, strähnig, mittelblond, dominant-herrischer Typ

 

Bühne: die Küche einer bieder-bürgerlichen Vierzimmerwohnung, Küchentisch, zwei Stühle,Eckbank, eine Hängelampe verbreitet einen trüben Lichtkegel über dem Tisch. Eine Tür rechts, ein Fenster links, davor eine spartanische Küchenzeile, Herd, Spüle, weißlich-vergilbte Hängeschränke, Mülleimer, Kehrblech und Besen, ein alter Küchenschrank mit Brottrommel, ab und zu brummt ein alter Kühlschrank, an dem Farbe bereits abgeplatzt ist, Blick aus dem Fenster undeutlich verschwommen, darunter ein Heizkörper einer Zentralheizung

 

Paul: sitzt am Tisch, scheint der Musik zu lauschen, schreibt etwas, blickt prüfend auf das Papier, hält inne

Pause

Steht auf, geht zum Fenster, steckt die Hände in die Hosentaschen, wippt entschlossen mit den Füßen

Pause

Geht zum Tisch zurück, setzt sich und blickt auf die Küchenuhr – Pause – danach auf seine Armbanduhr

Pause

Im Flur das Geräusch einer Wohnungstür, die aufgeschlossen, geöffnet und wieder verschlossen wird. Schritte, deutlich hörbar. Die Tür rechts geht auf.

Auftritt Hildegard

 

Hildegard: Schlafen die Kinder?

Paul: schweigt, nickt kurz

Pause

Hildegard: Ich habe dich gefragt, ob die Kinder schlafen. Schaut ihn dabei forschend und von unten nach oben musternd an.

Paul: tief Luft holend, mit dem Ausatmen fast unhörbar: Ja.

 

Hildegard geht zu dem etwas altertümlich wirkenden Radioapparat und schaltet ihn  energisch aus: Zum Kotzen!

 

Hildegard geht zum Heizkörper und dreht am Ventil: Kein Wunder, dass einem hier schlecht wird, erst diese Arschmusik und dann auch noch die Heizung voll aufgedreht. Sitzt der schon wieder seit Ewigkeiten hier rum. Zu Paul sich wendend: Ja, du!

 

Paul: War mir aber zu kalt hier, außerdem kann ich hören, was ich will, wenn du nicht da bist.

Hildegard: Wenn…

Pause

 

Hildegard schaut auf den Küchentisch und bemerkt den neuen Füllhalter: Schon wieder einen neuen Füller gekauft?

Paul seufzt.

Hildegard: Ist wohl alles, was dir dazu einfällt. Wieder so ein teures Teil. Nimmt den Füller abschätzig in die Hand, hält ihn gegen die trübe Lampe: Pah…blickt danach auf den Tisch und sieht das beschriebene Blatt Papier, legt den Füller achtlos ab, nimmt das Blatt und liest, zuerst leise mit Lippenbewegungen dann lauter werdend: …zu kalt…aha… Süd…amerika. Der Herr will auswandern, nach Südamerika, weil es ihm hier zu kalt ist, weil seine Frau abends im Kirchenchor singt, weil sie ihm danach die Heizung abdreht und ihm seine Kotzmusik ausstellt. Paul, du bist wirklich nicht ganz bei Trost, schreibst so ein blödes Zeug hierhin, wenn Marie das liest, was soll sie von ihrem Vater halten?

Zerknüllt das Blatt Papier verächtlich und geht zum Mülleimer.

Paul schlägt mit der Faust auf den Tisch und verkrampft danach in seiner Haltung mit einem fast grimassenhaften Gesichtsausdruck, scheint die Luft anzuhalten.

Hildegard im Umdrehen: Erschrecken kannst du mich schon lange nicht mehr, erregen in keiner Weise mehr, erspare mir diese Gesten der Hilflosigkeit. Bemerkt sein immer mehr rot werdendes Gesicht: und diese gespielten Wutanfälle bin ich schon lange leid. Südamerika, dass ich nicht lache. Du und Südamerika! Was willst du da, Erbsen zählen? Du taugst nicht mal zum Bananenpflücken. Pah!

Paul steht auf, geht zum Fenster, Hände in den Hosentaschen, ruhig hin und her wippend.

Hildgard geht zum Küchenschrank, öffnet eine Schublade, nimmt ein Brotmesser heraus, greift in den Brotkasten, schneidet von einem Laib eine Scheibe ab, geht zum Kühlschrank, entnimmt ihm Streichkäse und streicht sich ein Brot damit am Tisch.

Paul: Es ist mit hier zu kalt. Dreht die Heizung wieder auf.

Es ist mir hier zu kalt. Er schaut auf Hildegard, geht zum Tisch, Hildegard kaut genüsslich und schaut ihn abschätzig an. Er nimmt das Messer in die Hand, schaut zu Hildegard.

Hildegard mit halb gefülltem Mund noch leise grinsend : Paul… Paul? Paul!

Paul hält das Messer fester in der Hand, sticht blitzschnell auf Hildegard ein, mehrmals führt er das Messer in Richtung Hildegard, die aufgesprungen wild um sich schlägt. Paul wirft sie zu Boden, kniet über ihr und sticht weiter auf sie ein.

Paul: Da…und da…und da… und da, Südamerika, jawohl, da ist es warm. Hier ist es kalt. Paul erschöpft: Jetzt wird mir wärmer…

Hildegard röchelnd: Pa…Pau..Paul  …l…ass  es…

Pause

Paul sich erhebend: Die Tinte wird schwarz, wenn sie trocknet, haben sie gesagt. Ich kann auch hier bleiben. Es ist ja wärmer jetzt.

Er geht zum Radioapparat, schaltet das Gerät behutsam ein. Man hört leise Musik, wieder Brahms, Paul blickt auf den Heizkörper und dann aus dem Fenster.

Vorhang.

8.8.07 22:35
 


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