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Log 1 : Brecht oder der Frankfurter Taxireifen - Über polcor Kunst

Log 1

 

In seiner Untersuchung „Kleines Organon für das Theater“ schreibt Brecht in Artikel 55:

„Ohne Ansichten und Absichten kann man keine Abbildungen machen. […] Will der Schauspieler nicht Papagei oder Affe sein, muß er sich das Wissen der Zeit über das menschliche Zusammenleben aneignen, indem er die Kämpfe der Klassen mitkämpft. Dies mag manchem wie eine Erniedrigung vorkommen, da er die Kunst, ist die Bezahlung geregelt, die höchsten Sphären versetzt; aber die höchsten Entscheidungen für das Menschengeschlecht werden auf der Erde ausgekämpft, nicht in den Lüften…“

(in: Bertolt Brecht, Über Politik und Theater, edition suhrkamp, 465, S. 71f.)

 

Hier blitzt zwischendrin neben dem Klassenkämpfer Brecht wieder der listige Bertolt auf im Sinne des Fressens, das vor der Moral kommt, geflügeltes Wort: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Ich frage mich grad, wo steht das eigentlich? Aber egal, es geht noch weiter, und jetzt wird es wichtig: Denn im nächsten Artikel schreibt BB:

„So ist die Wahl des Standpunkts ein anderer Hauptteil der Schauspielkunst, und er muß außerhalb des Theaters gewählt werden. Wie die Umgestaltung der Natur, so ist die Umgestaltung der Gesellschaft ein Befreiungsakt, und es sind die Freuden der Befreiung, welche das Theater eines wissenschaftlichen Zeitalters vermitteln sollte.“ (a.a.O., S. 72)

 

Aha, nun wissen wir’s: Theater macht schon noch Spaß, allerdings nach Brecht erst, wenn es der Befreiung und Umgestaltung von Gesellschaft dient.

Das hört sich alles schwer nach Belehrungstheater an, nach Didaktik. Gehe ich ins Theater, oder doch besser gleich auf die Abendschule und hole auf dem dritten Bildungsweg mein Klassenkämpfer-Abitur nach, indem ich beispielsweise in Mutter Courage gehe?

Jetzt bitte nicht grundsätzlich fragen: Was ist Kunst? Das ufert aus bis hin zu dem linken Hinterrad eines Frankfurter Taxis, das zweimal die Woche abends im Museum ausgestellt wird, danach wird’s wieder ans Taxi montiert und der Fahrer bekommt die Kohle für zwei Stunden Wartezeit. Das hätte ich jetzt gern mal von Brecht kommentiert. Auf keinen Fall von Harald Schmidt – bei dem ist die Luft raus, satirisch kann der nicht mal mehr auf den Fidji-Inseln brillieren.

Aber ich schweife ab.

Brecht, Theater, Verfremdung

Frage: Wie lernt der Schauspieler nach Brecht eine Rolle in MC? Pardon, ich hätte sagen sollen: die Schauspielerin und der Schauspieler, oder: SchauspielerIn, jedenfalls der auf der Bühne Agierende. Mensch als Agens, auch so ein Stichwort, also: Wie lernt Typ Rolle? RollIn???

Problem noch lange nicht vorbei, denn: Wie sieht derdiedas ZuschauerIn Rolle?

[von nun an keine polcor mehr]

Also Problemo: Der Schauspieler lernt – der Zuschauer sieht: Resultat: Klassenkampf, beide gehen aus dem Theater und verändern die Welt. Vor dem Theater ist nach dem Theater, wichtig is aufm Platz und unterm Wiener Opernplatz ist sowieso immer Klassenkampf.

24.11.06 16:39
 


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