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Hat der Präsident aus den US und A Bertolt Brechts Mutter Courage gelesen oder nicht?

In seinen [Notizen über] „Die dialektische Dramatik“ spricht Brecht unter Punkt 8 über den „Funktionswechsel des Theaters“.

Einleitend sagt er: "Die Gesamtheit des Theaters muß umgestaltet werden, nicht nur der Text oder der Schauspieler oder selbst die ganze Bühnenaufführung – auch der Zuschauer wird einbezogen, seine Haltung muß geändert werden.“ (Bertolt Brecht, Über Politik und Theater, edition suhrkamp, 465, S. 26.)  Schaut man sich dann die Gedanken Brechts näher an, er redet im Folgenden davon, den Zuschauer zu „theatralisieren“, ihn komplett in das Geschehen einzubeziehen, dann findet man sehr schnell heraus, worum es Brecht im dialektisch-sozialistischen Prozess gehen muss. Das zeitgenössische Theater versteht er als lediglich eine Art „Geschäftsunternehmen“, das vom „Verkauf von Abendunterhaltung profitiert“. Jetzt gehe man einen Schritt weiter und verändere das zuschauende Kollektiv an sich. Nämlich so:

            Jetzt kann die Forderung erhoben werden, dass der Zuschauer (als Masse) literarisiert wird, das heißt, dass er eigens für den Theater»besuch« ausgebildet, informiert wird! Nicht jeder Hereingelaufene kann, auf Grund eines Geldopfers, hier »verstehen« in der Art von »konsumieren«. Dies ist keine Ware mehr, die jedermann auf Grund seiner allgemeinen sinnlichen Veranlagung ohne weiteres zugänglich ist. (a.a. O. S. 27)

Was meint der Autor hier? Der Zuschauer kann nicht mehr einfach so an sich und fidel ins Theater gehen, oder was? Ein Ticket ist keine Ware mehr, die man kauft, um sich zu belustigen, um unterhalten zu werden, die Sorgen des Alltags einmal vergessen? Muss wohl so sein. Der Zuschauer darf nur noch ins Theater gehen und ein Stück, ein Brecht-Stück, sehen, wenn er vorher studiert hat, „studieren“ im Sinne Brechts hier hieße, sich den Stoff des Stückes, die Botschaft, die Dialektik des Klassenkampfes usw. mühevoll erarbeitet zu haben, um dann die Aufführung der Schauspieler, die ebenso mühevoll „studiert“ haben, zu genießen. Dieses Verständnis von Kunst schließt jede Menge Leute aus! Das ist aber auch andererseits wieder typisch für sozialistische Haltungen, Kommunismus hat etwas Totalitäres an sich, etwas, das den Andersdenkenden ausschließt. Der normale Theatergänger ist nach Brecht ein „Hereingelaufener“, der ein „Geldopfer“ bringt, um Theater zu erleben, der aber noch lange nicht „verstehen“ kann. Spitzfindig könnte man auch sagen, der noch lange nicht „verstehen“ darf! Nach Brecht dürfen wir nämlich erst dann „verstehen“, wenn wir vorher etwas gelernt haben, am besten den kompletten Leninismus-Marxismus, inklusive diverser klassenkämpferischer Vorleistungen in Arbeiterkampfgruppen und Auszeichnungen als „Held der Arbeit“.

Brecht verstarb 1956. Bis heute werden seine Stücke mit Erfolg aufgeführt, und gute sind darunter, mitunter enthalten sie auch den für BB typischen Humor. Ihr Unterhaltungswert schwankt von Aufführung zu Aufführung. Insgesamt jedoch vermag sich der Autor dieser Zeilen die hohe Umdrehungszahl der Rotationen nicht vorzustellen, mit denen sich Brecht im Grab dreht, wenn er daran denkt, dass seine Stücke immer wieder falsch aufgeführt werden, dass beliebig viele Massen von „Hereingelaufenen“ sich an ihnen vergehen, indem sie sie nur zur Unterhaltung sehen. Bin ich aber froh, dass es noch Schulen, höhere Bildungsanstalten gibt, wo Brecht „gelehrt“ wird, wo seine Stücke dazu benutzt werden, das Volk aufzuklären.

Das Ziel ist einfach: Wir lesen MC, studieren es im Brecht’schen Sinne – und es gibt keine Kriege mehr auf der Welt. Oder doch? Könnte es nicht sein, dass immer noch so ein paar Leute, Großkapitalisten, Fondsmanager und shareholder Spaß daran haben, am Krieg zu verdienen? Nein, Entschuldigung, ich weiß ja, es gibt die Achse des Bösen, wir müssen gegen den weltweiten Terrorismus kämpfen. Bush hat Recht, der will ja gar nicht am Krieg verdienen, hat bestimmt auch Mutter Courage gelesen.

 

26.11.06 13:54
 


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